© STADTKAPELLE BAD WIMPFEN e.V. 2018  
Von Heimatliebe und Freiheit „Kompass“ betitelte Dirigent Jürgen Krieger das Jahreskonzert der Stadtkapelle Bad  Wimpfen. Am Samstagabend schien sich der vollbesetzte Kursaal in ein gewaltiges Luftschiff  zu verwandeln, das Musiker und Zuhörer auf eine magische Reise in die entlegensten Ecken  unserer Erde transportierte. Dabei gelang es Wolfram Leonhard, mit seiner wortmalerischen  Moderation einen erstklassigen Reisebegleiter abzugeben. Erste Station: Russland in der zweiten hälfte des 19. Jahrhunderts als noch schwere  Schiffe Wolga-aufwärts geschleppt werden.  „Treideln“ muss Kapellino-Dirigentin  Michaela Baier nicht, denn das Kapellino und  die Jugendkapelle sind eifrig bei der Sache  und liefern einen gelungenen Auftakt mit  Kees Vlaks „Troika Fantasy“, das mit einem  lebhaften „Trepak“-Tanz und einem  tobenden Publikum endet.  Unter Annette Waible geht die Reise nun  nach Westen. Kurt Gäbles „Zauberland“ –  inspiriert von einem schönen, sonnigen  Morgen - erinnert daran, dass man nur  vor die eigene Haustür gehen muss, um  die Schönheit der Welt zu genießen.  Über den Atlantik fliegt nun das   musikalische Luftschiff und landet im  Queen’s Park in den Vereinigten  Staaten, wo die Jungmusiker für ihre  Zugabe, den Klassiker „Little Brown  Jug“, auch bleiben. Nach dem Auftritt zeigte sich die  Jugenddirigentin begeistert von dem Zusammenspiel und dem Musikgefühl ihrer Schützlinge.  Dunkle Blechklänge erzählen von düsteren Wäldern, schwarz-spiegelnden Seen, Feen und  nordischen Mythen. Jean Sibelius’ „Finlandia“ erklingt. 1899 geschrieben, die sinfonische  Dichtung wurde schnell zu einer Art Nationalhymne für die nach Freiheit strebenden Finnen -  wurde sogar von den russischen Behörden verboten und prompt unter diversen anderen Titeln,  z.B. „Suomi“(das finnische Wort für Finnland!), aufgeführt.  Nun wird vom Musik-Luftschiff einiges  abverlangt! Beim belgischen Musical  „Tintin“ von Dirk Brossé sind viele  Wechsel und Übergänge zu meistern. Kein  wunder wenn man bedenkt, dass das  Stück in Belgien, am Nordpol, in  Schottland und Peru spielt. Doch Jürgen  Krieger und seine Stadtkapelle  überstehen das Abenteuer von Tim und  Struppi mit Bravour und dürfen für eine  kurze Pause zwischenlanden, bevor es  ins Land der Vampire weiter geht … Doch was erklingt denn da? Eine  Blaskapelle? Ein fröhlicher, selbstbewusster  Marsch? Das Luftschiff muss an Höhe verlieren (Vorsicht, Berg!), um Klarheit zu  verschaffen. Wimpfener Musiker Andreas Horwath dirigiert seine eigene Komposition über  sein Herkunftsland und das siebenbürgische Volk komplett mit Gesangseinlage: „Mer wällen  bleiwen wat mer sen“. Das eingängige Werk kam sehr gut bei den Zuhörern an – Andreas  konnte sich nach dem Konzert „vor Lob kaum retten“.  Kaum zu glauben, dass - sogar nach einem Japanbesuch mit Luigi di Ghisallos „Tokyo  Adventure“ - der absolute Höhepunkt einer Weltreise in Tirol statt finden soll, aber genau so  kam es: Wir schreiben das Jahr 1809. Das Tiroler Volk, angeführt vom Gastwirt und  Viehhändler Andreas Hofer, kämpft am Bergisel gegen bayerisch-französische Truppen für  seine Freiheit. Man hört Gewehrschüsse, das Klirren der Klingen, verspürt die Wirren des  Kampfes. Mit „Tirol 1809“ ist es Sepp Tanzer und der Stadtkapelle gelungen, die Zuhörer  mitkämpfen und den Sieg mitfeiern zu lassen.  Das Luftschiff senkt sich allmählich, die Reisenden beginnen wieder an heimatliche Gefilde zu  denken. „Rikudim“, vier moderne israelische Volkstänze von Jan Van der Roost, fängt im  entspannten 2/4-Takt an. Vielleicht dürfen die Luftschiffpassagiere noch am Ende der  spannenden Reise einen erholsamen Abschluss in Israel genießen? Es folgen zwei Sätze, die  trotz der etwas ungewöhnlichen 5/8 und 7/8 Taktarten das Liegestuhl-Feeling nicht gänzlich  verbannen. Dann…ZACK! Schrille Triller und rasende Finger beim Finale bereiten der  Träumerei ein jähes Ende und kündigen die Heimkehr lautstark an. Das Publikum zeigte sich  von der gesamten Darbietung begeistert und forderte zwei Zugaben.  Die Stadtkapelle möchte sich bei allen Konzertbesuchern, Helfern und Sponsoren ganz  herzlich bedanken.  Maxine Jung
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